VIER und springende Realitäten

Faszinierend. Faszinierend, wie fasziniert man von seiner eigenen Unzulänglichkeit oder Unzuverlässigkeit sein kann. Die harten Fakten: Nach drei mehr oder weniger zeitgerechten, weil noch spätnachts verfassten Beiträgen für dieses Machwerk habe ich es tatsächlich geschafft, den vierten Eintrag gleich einmal auszulassen. Einfach so. Klar, der Tag war stressig gewesen, aber entschuldigt das den Bruch eines Versprechens, das man sich selbst gegeben hat? Anderen gegenüber würde man so etwas doch auch nicht einfach machen. Zumindest dann nicht, wenn man noch längere Zeit Freunde haben will. Andererseits – man sollte das Leben doch auch nicht zu ernst nehmen. Immerhin kommt man nicht lebend raus.

Egal, darüber möchte ich nicht diskutieren. Zumindest nicht heute. Nach einem Gespräch mit einem geschätzten früheren Arbeitskollegen und einer entsprechenden Anregung seinerseits geht mir nämlich anderes durch den Kopf. Genauer gesagt der Zusammenhang zwischen Freerunning bzw. Parkour und bestimmten Videogames. Gibt es den?

Ich stehe da. Berechne in meinem Kopf, ob die Distanz zu groß ist, ob die Kraft reicht. Bereite mich vor. Halte den Atem an. Und dann springe ich los, presse beide Beine mit Gewalt in den Boden, die Schwerkraft scheint überwunden zu sein. Die Landung glückt, ich habe ein Hindernis überwunden, habe mich selbst überwunden, bin ein Stück gewachsen.

Ich stehe da. Berechne in meinem Kopf, ob die Distanz zu groß ist, ob die Kraft reicht. Bereite mich vor. Halte den Atem an. Und dann springe ich los, presse einen Finger mit Gewalt auf den Controller, die virtuelle Schwerkraft scheint überwunden zu sein. Die Landung glückt, ich habe ein Hindernis überwunden, habe mich selbst überwunden, bin ein Stück gewachsen.

Wenn man sich diese beiden Absätze so ansieht, kommt man unweigerlich zu einem Schluss: Jep, es gibt durchaus Ähnlichkeiten zwischen Videospielen und Erlebnissen im echten Leben – und somit auch dem Sport. In beiden Fällen reagiert unser Körper nämlich mit diversen Ankurbelungen von Körperfunktionen auf die immanente Gefahr – so, wie er es in der Steinzeit und im weiteren Verlauf der Evolution gelernt hat, um zu überleben. Dabei ist es für den Träger unseres Geistes ganz und gar unerheblich, ob denn die Gefahrenquelle nun real ist (wie im Beispielfall Parkour, wo nun mal wirklich die Schwerkraft in Verbindung mit Unachtsamkeit mit zum Teil sehr unangenehmen Überraschungen aufwarten kann) oder gänzlich virtuell ist. Nach diesem Prinzip funktionieren natürlich auch Horror-Filme: Durch die Verbindung aus Bildern, Geräuschen und Musik wird unser Gehirn ausgetrickst – ihm wird suggeriert, dass es in Gefahr ist, obwohl das Bewusstsein weiß, dass da nur ein dummer Film mit schlechten Effekten abläuft.

Was passiert nun, wenn das Gezeigte nicht nur ein automatisch ablaufender Film ist, sondern interaktiv ist? Vereinfacht gesagt reagiert der Körper einfach noch extremer: Bekommen wir bei actionreichen Filmen gerade einmal schwitzige Hände ob der gezeigten Abstrusitäten, fühlen wir uns bei einem Spiel gleich mulmig, wenn dem Avatar Gefahr droht. Man möchte sein Strichmännchen (oder Polygon-Weibchen) klarerweise am Leben erhalten – immerhin hat man mit ihm eine Bindung für´s virtuelle Leben! Legen wir das erneut auf ein Beispiel um:

Stellt euch vor, wir stehen mit Ezio auf dem Dogenpalast in Venedig. Ganz oben drauf. Der Ausblick ist herrlich, der Markusplatz liegt einige Dutzend Meter unter uns. Doch davon nicht genug: Eigentlich sollten wir auf diesen kleinen Vorsprung dort hinten – so gerade noch in Sprungweite. Oder vielleicht auch nicht. Weiß man nicht genau. Sollten wir den Knopf drücken – wissend, dass das Risiko besteht, dass der sympathisch-mörderische Italiener in ein frühes Grab segelt? Lasst euch die Szene durch den Kopf gehen und sagt Bescheid, sobald die Finger kribbeln.

Szenenwechsel: In einer sterilen, seltsam klinisch anmutenden und leicht diktatorisch angehauchten Zukunft stehen wir als junge Dame auf einem roten Kran. Erraten – wir sind im Moment in der Haut von Faith aus Mirror´s Edge. Hier wird das Spiel überhaupt fast komplett auf die Ausübung von Parkour reduziert – ein damals mutiger Ansatz von Electronic Arts und wohl auch der Grund dafür, dass das Spiele heute einen Fankult besitzt.Und wenn ihr dachtet, dass wir schon bei der Steuerung von Ezio genug geschwitzt hätten, dann bringt Mirror´s Edge noch eine neue Erkenntnis hinzu: Auch die Perspektive spielt eine wichtige Rolle, wenn wir unserem Körper vorgaukeln wollen, dass er nun verdammt noch mal angespannt zu sein hat. Faith wird nämlich aus der Ego-Perspektive gesteuert, und das in einer Form, wie sie bis dahin noch nicht wirklich üblich war. Der Clou: Die Kamera wackelt beim Laufen, neigt sich in Blickrichtungen, überschlägt sich bei der klassischen Parkour-Rolle mit … kurzum: Sie macht alles, was man auch in der Realität bei der Ausübung dieses Sports machen würde. Und es fühlt sich gut an, wenn man mit der Läuferin eine Distanz richtig eingeschätzt hat, weit genug gesprungen ist und und der Polizei ein Schnippchen geschlagen hat. Keine Frage.
Und dennoch gibt es an dieser Stelle eine Entwarnung für Sportler und eine Empfehlung für Zocker: Kein Spiel der Welt wird jemals das Gefühl ersetzen können, das man bei der tatsächlichen Ausübung von Sport an der frischen Luft hat. Und dabei spreche ich jetzt gar nicht einmal nicht nur „extremere“ Aktivitäten wir Parkour oder Extrem-Niesen (ich danke Terry Pratchett für dieses Bild in meinem Kopf, das zu später Stunde irgendwie immer wieder in meinen Gedankengängen landet), sondern auch ein kleiner sonntäglicher Lauf oder ein Abendspaziergang. Das größte Hindernis, das es zu überwinden gilt, ist nämlich immer noch der eigene Schweinehund – und es fühlt sich verdammt gut an, ihn zu besiegen.

 

Ich würde ja gerne noch weiter zu diesem Thema schreiben, aber im Moment bin ich einfach zu sehr abgelenkt. Tatsache ist nämlich, dass es 0:40 ist und in wenigen Minuten die Falcon 9-Rakete von SpaceX Richtung Weltall davonschweben soll. Ein privates Unternehmen, geleitet von „Mr. Tesla“ Elon Musk, das Transportjobs in den Weltraum schaffen kann – das Ganze halbwegs umweltfreundlich und sauber. Wenn man bedenkt, dass wir vor nicht ganz 50 Jahren zum ersten Mal am Mond waren … Wahnsinn, was ein großes Hirn leisten kann, wenn genug Initiative dahinter steckt.

Ich schweife ab und muss einen Raketenstart verfolgen. Wiedersehen.

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DREI und die Rettung der Menschheit

Spät ist es schon wieder geworden, verdammt spät. Aber zumindest habe ich heute eine gute Entschuldigung für meinen inneren Chefredakteur, der mich mit funkelndem Blick und einem strengen Finger auf der Deadline anstarrt, denn das gute alte Korrektorat / Lektorat frisst doch einiges an Zeit. Vor allem, wenn zur Abwechslung einmal keine einzelnen Artikel, sondern ein komplettes Buch akribisch auf Fehler, Ungereimtheiten, freilaufende Satzzeichen und andere Bestialitäten untersucht wird – und noch dazu das Buch eines früheren Kollegen, der eine Mischung aus Semi-Autobiographie und „50 Shades of Grey“ auf meinen virtuellen Tisch knallt. Auf jeden Fall unterhaltsam und ein wenig verstörend zu lesen, wenn man sich das Sexualverhalten von Menschen vorstellt, die man zuvor noch nicht in diesem Licht betrachtet hat. Egal. Wo war ich?

BildGenau, die Rettung der Menschheit. Ein schöner Titel für einen Eintrag am dritten Tag. Hat man sich die Tage zuvor noch damit begnügt, gerade einmal sein eigenes Projekt zum Schreiben anzukündigen und am nächsten Tag zum Jedi-Ritter und -Retter zu avancieren, übt man sich nun schon an der Errettung des kompletten Planeten. Und das ist in diesem Fall nicht einmal zu hoch gegriffen, denn die letzten zwei Wochen war ich neben der Jobsuche und diesem Unterfangen hier vornehmlich mit XCOM: Enemy Within beschäftigt. Ja, das ist ein Computerspiel. Sorry an alle, die mit einer anderen Erwartung in diesen Beitrag gegangen sind – für euch habe ich morgen wieder etwas Interessantes parat. Doch weiter im Text.

Kurz zusammengefasst ist XCOM eine Neuinterpretation einer Neuinterpretation. Nachdem im letzten Jahr XCOM: Enemy Unknown auf den üblichen Konsolen und PCs erschienen war (und mir einen Pressetrip in die USA einbrachte, bei dessen erster Station in Baltimore ein Essen mit Sid Meier und bei der zweiten Haltestelle in Dallas der bereits früher erwähnte, betrunkene Ritt auf dem elektrischen Bullen auf der Tagesordnung stand), das die Neuauflage eines Klassikers aus den frühen Neunzigern war, war die Fachwelt ein wenig von den Socken. Nicht nur, dass der Charme des Originals die knapp zwanzigjährige Zeitreise überstanden hatte, nein, auch die anderen Aspekte des Spiels wussten zu überzeugen. Sogar die Steuerung auf den Konsolen per Controller ging flott und flüssig von der Hand – keine geringe Leistung, die Firaxis da auf den Tisch gelegt hatte, denn immerhin sind Strategiespiele nicht gerade dafür bekannt, eine eingängige und verständliche Steuerung mittels der paar Tasten, die ein Controller nun mal bietet, zu ermöglichen.

Nach generell guten Wertungen, aber nur einem mittelprächtigen Absatz entschied man sich bei Firaxis und 2K Entertainment dazu, einen Quasi-Nachfolger zum Nachfolger (welch Meta-Gedanke!) abzuliefern und kündigte während der E3 2013 XCOM: Enemy Within an. Der Clou: Im Endeffekt wird uns das selbe Spiel noch einmal verkauft – aber gepimpt, wie es sonst nur Vin Diesels Autos in „The Fast & Furious“ sind. Statt der exklusiven Bedrohung durch Extraterrestrische bekommt es die Erdbevölkerung nämlich auch mit einer Gruppe von Extremisten (quasi Extrem-Terrestrische) zu tun, die frei nach Christopher Nolans Batman-Verfilmung nichts lieber sehen würden als eine brennende Welt. Diese Organisation schimpft sich EXALT und ist der titelspendende Enemy Within, also Feind von innen. Doch auch die Aliens sind nicht untätig und beharken den Planeten nach wie vor mit UFO-Landungen, Zivilisten-Entführungen und wahrscheinlich auch der einen oder anderen Analsonde.

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          Die Menschheit verraten? EXALT sollte sich was schämen.

All das will fachgerecht zurückgekämpft werden, um zu verhindern, dass sich die einzelnen Unterstützer-Staaten des XCOM-Projektes der Reihe nach zurückziehen und ihre monatliche monetäre Subvention gleich mitnehmen. Alles in allem bedeutet das Mikro-Management bei der Planung der eigenen Basis, der zu startenden Satelliten, der zu kaufenden Ausrüstung, der Forschung und eigentlich auch bei den rundenbasierten Kämpfen. Mit anderen Worten: Dieses Spiel ist ein Garten Eden für jeden Freund der wohlüberlegten Planung und Ausführung. Stellt man sich nämlich bei diesen Aufgaben geschickt an, bekommt man sehr direktes Feedback von Enemy Within: Die eigenen Soldaten werden immer stärker und wachsen einem fast ans Herz (so viele von ihnen hat man nicht zu Verfügung, und sie haben so tolle Namen wie „Hulk“ und „Grunt“), erfolgreiche Schachzüge resultieren in mehr Geld und somit besserer Ausrüstung, und eine wie geschmiert laufende und fachgerecht aufgebaute Basis ist sowieso eine Gratifikation an sich.

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          Pimp my soldier – aber statt Tieferlegung gibt es Servo-Fäuste und Flammenwerfer.

Zusätzlich zu diesen Anfütterungs-Mechanismen, die schon im Originalspiel enthalten waren, gibt Enemy Within dem Konsumenten aber noch ein paar neue Spielzeuge in die Hand, die alle auf der neuen Währung Meld basieren. Diese kann in Missionen aufgesammelt werden (aber nur, wenn man schnell genug bei den das Zeug enthaltenden Containern ist – die haben nämlich ein recht kurzes Ablaufdatum in Form von Spielrunden) und in zwei neue Soldaten-Upgradeklassen investiert werden. Im biomechanischen Labor werden willige Recken zu freundlichen Versionen des Terminator umgebaut. Sie können fortan MECs nutzen – Exoskelette, die zu unglaublichen Leistungen fähig sind, was Laufweite, Spezialfähigkeiten und Durchhaltevermögen bei Schadensfällen durch E.T.s Waffen angeht. Außerdem sind sie in der Lage, unglaublich effiziente Werkzeuge zur fachgerechten Durchsiebung von grauen Männchen mitzutragen – freilich alles, nachdem man ordentlich Meld in den Ausbau der jeweiligen MECs gesteckt hat. Alternativ (weil nicht beide Modifikationen an einer einzelnen Person möglich sind) schickt man die Beinahe-Freiwilligen ins Genlabor, wo sie ebenfalls mit ordentlichem Meld-Aufwand … nun, genetisch ein wenig optimiert werden. Von einem zweiten Herz, das dem Heldentod am Schlachtfeld zumindest für eine gewisse Zeit ein Schnippchen schlägt, bis hin zu lächerlich starken Beinen für schnelle Sprünge auf Häuser ist alles dabei, was man seinen Soldaten nur antun mag.

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          Welches Körperteil hätten´S denn gern umgebaut?

Klar, an dieser Stelle kann man geistig auf die Fragen eingehen, die einem auch von den Spiel-Nebencharakteren demonstrativ unter die Nase gerieben werden: Wie weit darf man sich dem Feind technologisch annähern, um überhaupt noch moralisch von ihm unterscheidbar zu sein? Prinzipiell eine interessante Frage, aber um ehrlich zu sein: In einem solchen Spiel darf man auf solche moralischen Schwarz-Weiß-Malereien auch einmal gepflegt verzichten. Ich bin die letzte verdammte Bastion der Menschheit gegen die totale Vernichtung – wenn ich dafür ein paar Bauernopfer auf dem Altar der Technologie und der Moral bringen muss, dann sei es so.

Üblicherweise werden ja solche Review-Artikel mit einer Art Fazit geschlossen, das noch einmal alles zusammenfasst, was der geneigte Leser eh schon in den Zeilen zuvor aufgenommen hat. Aus Gründen der Höflichkeit und der narrativen Notwendigkeit von solchen Zusammenfassungen gibt’s auch hier so etwas, bis mir ein stilvolleres Mittel eingefallen ist. XCOM: Enemy Within nimmt ein erprobtes Konzept her und macht daraus etwas noch Besseres. Geistig kann man sich das in etwa so vorstellen, wie wenn man eine Pizza Margherita (denn Pizza ist mitunter das ultimative Nahrungsmittel) als Basismaterial nimmt und dann auf den grenzgenialen Einfall stößt, den flachen Fladen auch noch mit Schafskäse und Ananas-Stücken zu verfeinern. Anfangs mag man mit ein wenig Skepsis an diese Sache herangehen – warum verfeinern, wenn es doch schon so toll ist? Die Antwort: Weil noch besser immer noch besser ist. Rhetorisch nicht fein, aber korrekt.

ZWEI und das Jedi-Workout

Den Kopf nach oben. Augen auf. Raus mit dem Körper aus dem Nachmittagsschlaf-Betrieb, denn immerhin kann man ja nicht den ganzen Tag verpennen. Wobei man fairerweise sagen muss, dass heute schon um 7 Uhr morgens das Bett verlassen wurde – diverse Tätigkeiten im Weinbau rufen den frühen Vogel oder so aus dem Schlaf. Und auch wenn Frank Turner, ein von mir sehr geschätzter Singer-Songwriter und generell guter Mensch, ein Lied mit der Zeile „Sleeping gets tiring, it reminds me of dying“ verfasst hat, bleibe ich trotzdem auf der Meinung stehen, dass dieser Schlaf nicht gerade unangenehm ist. Eher das Gegenteil. Auch wenn die Beobachtung, dass man als Kind den Mittagsschlaf wie die Pest gehasst und den Eltern dafür dieselbe an den Hals gewunschen hat, während man ihn als junger Erwachsener (und vor allem Student) auf einmal wieder genießt, sicher auch die eine oder andere wissenschaftlich-behavioristische Analyse vertragen könnte.

Warum aber bin ich so müde, dass ich mich überhaupt mit so etwas wie einem Nachmittagsschlaf auseinandersetzen muss? Nun, einerseits natürlich wegen des ungewohnt frühen Verlassens des Bettes, andererseits aber auch wegen einem relativ intensiven Training am gestrigen Abend. Als selbst ernannter Muckraker des Internet ist es auch meine höchstpersönliche Aufgabe, hin und wieder gepostete Workouts auf ihre Effizienz zu prüfen. Und sei es nur dafür gut, um die eigene Fitness auf Trab zu halten und im Winter nicht zu sehr zu verkommen – immerhin stehen diverse Dirt Runs ja quasi vor der Tür. Deswegen wurde gestern das auf 9gag.com („your daily dose of internet humour“, die auch schon mal besser war) aufgestöberte „Jedi Workout“ ausprobiert und wegen des verflucht kleinen Bildschirms meines Netbooks gleich einmal in schriftliche Form übertragen (siehe das wunderschöne beigefügte Bild).

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          Die schönste Handschrift aller Zeiten.

Die Frage „Taugt´s was?“ lässt sich mit einem klaren „Jein“ beantworten. Denn es kommt stark darauf an, was ich mit einem einzelnen Training erreichen will: Für ein umfangreiches Allround-Workout-Regime für die Tage, an denen man nicht einmal den Hund des Nachbarn vor die Tür setzen würde, werden nicht alle Muskelgruppen gleich beansprucht. Der heutige Muskelkater, der sich nach dreifacher Durchführung des Programms (ja, ich weiß, nur das Starterpaket, aber wie erwähnt musste ich am nächsten Tag einsatzbereit sein) zwischen milde und leicht bissig äußert, spielt sich vor allem in den Oberschenkeln und (interessanterweise) im mittleren Rückenbereich ab. Sieht man sich die Übungen im Detail an, kann man auch leicht erkennen, woran das liegt: Obwohl einige wenige Komplett-Körper-Angreifer wie einbeinige Liegestütz oder die wunderbaren Push-Planks dabei sind, haben sie an der großen Gesamtheit einen sehr geringen Anteil. Das erklärt auch, warum die Arme und Schultern (obwohl aus Spaß an der Gaudi noch 30 Klimmzüge angehängt wurden) die Nacht so gut wie unbeschadet überstanden haben. Auch die Bauchmuskulatur, die ja theoretisch mit Crunches / Situps und seitlichen Jackknives zur eines Jedi-Ritter würdigen Form gebracht werden sollen, ist heute eher unbeeindruckt zur Körperinventur erschienen. Der wahrscheinlichste Grund dafür ist aber auch schnell gefunden: Unter den Körpergewichts-Übungen (Body Weight Exercises, BWE) sind die seitlichen Jackknives wahrscheinlich die dümmsten und sinnlosesten, die man nur finden kann. Der Bewegungsablauf sorgt dafür, dass genau eine Muskelgruppe beansprucht wird, während der Rest des Körpers wie ein fauler Ewok am Boden liegt und versucht, sich ja nicht zu bewegen. Zusätzlich dazu kann man bei der Bewegung an sich so viel falsch machen, dass man gleich eine schriftliche Einladung an ein verrissenes Kreuz ausstellen kann. Ähnlich verhält es sich mit den Woodchucks – schwingt man die imaginäre Axt einmal zu weit oder zu hart, könnte der Rücken mit einem leichten Knacksen seinen nun beleidigten Zustand anmelden.

Positiv hervorheben muss man allerdings, dass durch die Strecksprünge mit Kniebeuge und die seitlichen Lunges sowohl die vorderen als auch hinteren Oberschenkelmuskel wunderbar gefordert werden – bis hin zum Punkt, an dem man meint, dass man sich versehentlich ein Lichtschwert in beide Beine gesteckt hat. Nachdem aber gerade die Schenkel wichtige Träger für beinahe alle Sportarten sind, muss man hier Pluspunkte an das Training für Jedi-Krieger in spe vergeben.

Alles in allem ist die Übungsabfolge also nicht ganz den dunklen Mächten der Sith entsprungen, um die Konkurrenz klein zu halten. Was unter dem lustig-nerdigen Titel daherkommt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen alsa nicht ganz ineffizientes Mittel gegen die lästige winterliche Faulheit, die mit einem klassischen Midichlorianer-Mangel (oder dem ganz normalen Winter) daherkommt. Lediglich die Jackknives sollte man durch Seitstützen mit Beinheben ersetzen, und wer ganz mutig ist und Darth Vader höchstpersönlich Paroli bieten will, der schmeißt auch die Woodchucks aus dem Programm und macht stattdessen die guten, alten Burpees. Für eventuelle Endorphin-Schübe und Muskelschmerzen bin ich nicht haftbar – nur, damit das gesagt ist.

 

In other news: Tatsächlich wäre ich schon an Tag zwei dieses persönlichen Wortmarathons beinahe am Ziel vorbeigeschossen. Oder, um es ehrlicher zu machen, beinahe am Start hängen geblieben. Nachdem der Tag gleichermaßen verplant und inaktiv war, wäre die Schreiberei fast auf der Strecke geblieben. Ich merke auch, dass die Worte heute nicht so sehr aus mir herausfließen, wie sie es noch gestern beim ersten Eintrag getan haben. Brauchte ich für die ersten tausend Worte noch gerade mal ein wenig über 35 Minuten, sitze ich hier nun schon fast eine Stunde und feile an Sätzen. Wieder ein Beweis dafür, dass es für alle Dinge schlechte und gute Tage gibt – was natürlich die Frage aufwirft, wie sich die folgenden Tage gestalten werden. Ist mein Kopf noch leerer? Oder voller? Oder noch verplanter? Werde ich wieder am Nachmittag ins Bett sinken, mit der festen Absicht, mich noch einmal zu erheben und dann doch wieder den Snooze-Button zu drücken?

Wer die nächsten Tage garantiert gut schlafen wird (welch ein grandioser Gedankensprung) ist David Dietrich, ein Freund, der sich im Moment auf einer sportlichen Weltreise befindet. Ohne Rückflugticket treibt er sich im Moment irgendwo zwischen Südostasien und (vermutlich) dem hinteren Hindukusch herum und nimmt an diversen Extremläufen und generell einem unglaublich interessanten Lebensstil teil. Netterweise bloggt er auch unter http://blog.davidsdietrich.com/ über die Abenteuer, die er so unterwegs erlebt – so zum Beispiel einen über 60 km langen Berglauf, den er vor wenigen Tagen überlebt hat. Unbedingte Leseempfehlung und für diesen Tag mein Abschied aus dem Internet (oder zumindest dem Teil des Internets, in dem ich öffentlich schreibe). Möge die Macht mit euch … ach, egal. Cheers.

EINS und Tausend Worte bis zum Weltuntergang

Eintausend Wörter pro Tag. Das sind in einer Woche siebentausend Wörter. Macht im Monat ungefähr achtundzwanzigtausend Wörter, und im Jahr aufgrund von akuter Allergie gegen Kopfrechnungen ungefähr dreihundertfünzigtausend Worte. Worte, die, wenn schon nicht zu Papier, dann doch zumindest auf den Bildschirm gebracht werden wollen. Jeden Tag aufs Neue eine Rotte an Buchstabenansammlungen, die dabei helfen soll, das eigene Hirn in den Schreibmodus zu kicken und dort zu halten. Die Frage ist eigentlich: Habe ich das notwendig? Ich war doch fast zwei Jahre Berufsschreiberling, wenn auch nicht besonders bekannt oder erfolgreich. Sollte das nicht an Erfahrung reichen, um mich für sämtliche folgenden Jobs und Bücher zu qualifizieren? Wo sind die Verlage, die mir die Tür einrennen und mich um mein Erstlingswerk anbetteln? Und wo sind die Milliarden, die aus diesem Business entspringen?

Kurz gesagt: Noch nicht da. Vielleicht nie da. Aber das wichtigste Wort: Nein. Nein, es reicht nicht, dass ich mich in den nicht ganz zwei Jahren ein wenig hingesetzt, gezockt und dann darüber geschrieben habe. Klar, das hat mich in vielen Perspektiven schon weitergebracht – sowohl auf schriftstellerischer Ebene (die Deadline ist ein Feind, aber man soll seine Feinde ja lieben – außerdem macht sie so ein schönes Geräusch, wenn sie vorbeizieht) als auch auf in Ermangelung eines besseren Wortes menschlicher Ebene. Man sollte die Erfahrung gemacht haben, mit einer Gruppe von johlenden, semi-betrunkenen Games-Journalisten auf einer Holzterrasse in Dallas einen mechanischen Bullen zu reiten. Klarerweise, nachdem man selber einige Kostproben der ortsansässigen Brauereien zu sich genommen hat (und infolgedessen realisiert, dass Bier nicht unbedingt etwas mit Bier zu tun haben muss, sondern auch mehr nach schmutzigem Wasser schmecken kann).

Und doch kann man davon ausgehen, dass diese Erfahrungen, so lustig sie auch waren, nicht dafür reichen werden, mich durch den Rest meines Lebens zu tragen und mir Tür und Tor zu allen Redaktionen und Verlagen der Welt zu öffnen. Denn wie mit jeder anderer Fähigkeit ist es auch beim Schreiben die Übung, die den Meister macht. Die Kunst, an Sätzen so lange zu feilen, bis sie das Herz der eigentlichen Aussage treffen. Worte zu schreiben, in den Mund zu nehmen, zu kosten, zu probieren, zu kauen und wieder auszuspucken, um ein neues, besseres Wort zu finden. Dieser Prozess findet im Normalfall versteckt in den Autoren dieser Welt statt (ein von Kopfstößen zerbeulter Tisch, leere Zigarettenschachteln, volle Aschenbecher und mehrere Mount Everests an Kaffeegeschirr können aber Hinweise darauf liefern, dass es bei einem Schreiberling gerade nicht gut läuft), aber ich habe mich für den Moment bewusst dagegen entschieden. Stattdessen will ich mehr oder weniger öffentlich machen, was in einem Menschen vorgeht, der sich das ehrgeizige Ziel gesetzt hat, jeden Tag nicht weniger als eintausend Wörter zu schreiben.

So eine Idee kommt natürlich nicht von ungefähr. In einem Artikel auf der wunderbaren Website Medium („Medium“ im Sinne von Informationsträger, nicht wie beim halb gegrillten Steak) hat sich der Autor Srinivas Rao über seine Angewohnheit ausgelassen, jeden Tag mindestens eintausend Wörter zu Papier zu bringen. Sein Ziel dabei war simpel: Er wollte seinen Schreibstil verbessern und gleichzeitig sein Können nicht einrosten lassen – zwei Dinge, die gerne Hand in Hand über die Wiese springen. Das wirklich Interessante daran ist, dass er sich nebenbei auch noch überlegt hat, wie er seine dabei zu Papier (oder Bildschirm) gebrachten Gedanken auch noch zu Geld machen könnte – ganz der US-Amerikaner, der er nun mal ist. Es folgte ein im Eigenverlag publiziertes Buch, das über Amazon wenn schon keinen reißenden, dann aber doch beachtlichen Erfolg hatte, sowie ein Blog und ein Fernsehauftritt in einer national ausgestrahlten Late-Night-Talkshow. Kein schlechter Erfolg dafür, dass er sich nur dazu entschieden hatte, seine Tastatur ein wenig mehr als die Jahre zuvor zu ge- und missbrauchen.

Natürlich gibt es aber auch einen kleinen Trick an der Sache, oder eher einige Konditionen:

  • Keine Lust zu schreiben? Schreib tausend Wörter.

  • Keine Idee, worüber man schreiben soll? Schreib tausend Wörter.

  • Völlig verkatert vom Vorabend und mit dem Kopf in der Schüssel? Schreib tausend Wörter (und lass die Tastatur dabei in einem hygienischen Zustand).

  • Viel zu tun? Mach deine Arbeit und schreib dann tausend Wörter.

Man sieht, worauf das alles im Endeffekt hinausläuft: Disziplin zur Selbstdisziplin. Wie auch beim Sport (ein anderes großes Thema, das mit Sicherheit viele Gastauftritte hier haben wird) ist das Schreiben ein Unterfangen, das durch Wiederholungen und Übung besser wird. Statt Liegestützen und Klimmzügen wird hier aber der Stift oder wahlweise die Tastatur in Bewegung versetzt, was in Verbindung mit einigen Synapsen-Feuerwerken für halbwegs sinnvolle Sätze sorgt.

Und sinnvoll meint in diesem Fall nicht nur syntaktisch und semantisch sinnvoll, sondern auch inhaltlich. Das persönliche Ziel ist es, hier nicht nur den eigenen Kopf-Mistkübel auszuleeren und den Inhalt zu analysieren, sondern auch ein wenig zu unterhalten oder (im Extremfall und wahrscheinlich sehr selten) zu bilden. Angeblich helfen hoch gesteckte Ziele im Verlauf eines Unternehmens ja weiter, aber im schlimmsten Fall sind einfach tausend tägliche Worte zur freien Entnahme an dieser Stelle da. Games-Reviews, -Previews, Ähnliches für Serien, Filme oder was mir sonst gerade durch den Kopf geht, vermischt mit einigem an Blabla, vielleicht der einen oder anderen Tagesanekdote und viel Sport. Dazu noch massig Unsinn, und die Melange ist angerichtet. Sollte ich übrigens irgendwann dahinter kommen, dass Chats auch mit zu den tausend Worten zählen, muss ich wohl oder übel die Text-Transkripte von dort nach hier kopieren, denn ich befürchte, dass ich als stark textbasierte Lebensform dort um einiges mehr produziere, als eigentlich benötigt werden würde. Das könnte dann zwar etwas peinlich werden, aber wie der Jugendliche von heute so schön sagt: #YOLO.

Was das alles eigentlich sagen soll? Wahrscheinlich willkommen. Willkommen auf meinem Blog, willkommen in meinem Kopf. Ja, ich weiß, dass er nicht immer besonders gut aufgeräumt ist.

P.S.: Lustig, der erste Tag, an dem das Projekt läuft, und schon bin ich um 73 Wörter zu kurz unterwegs. Dafür ist wahrscheinlich in Briefen schon immer das Post Skriptum da gewesen – um die Briefe ganz auszufüllen. Bei den damaligen Preisen für Papier auch kein großes Wunder. Ein bisschen weiter ausgeholt, Sätze umgeschmiedet und schon bin ich über meinem theoretischen Limit. Die Magie der Worte.