ZWEI und das Jedi-Workout

Den Kopf nach oben. Augen auf. Raus mit dem Körper aus dem Nachmittagsschlaf-Betrieb, denn immerhin kann man ja nicht den ganzen Tag verpennen. Wobei man fairerweise sagen muss, dass heute schon um 7 Uhr morgens das Bett verlassen wurde – diverse Tätigkeiten im Weinbau rufen den frühen Vogel oder so aus dem Schlaf. Und auch wenn Frank Turner, ein von mir sehr geschätzter Singer-Songwriter und generell guter Mensch, ein Lied mit der Zeile „Sleeping gets tiring, it reminds me of dying“ verfasst hat, bleibe ich trotzdem auf der Meinung stehen, dass dieser Schlaf nicht gerade unangenehm ist. Eher das Gegenteil. Auch wenn die Beobachtung, dass man als Kind den Mittagsschlaf wie die Pest gehasst und den Eltern dafür dieselbe an den Hals gewunschen hat, während man ihn als junger Erwachsener (und vor allem Student) auf einmal wieder genießt, sicher auch die eine oder andere wissenschaftlich-behavioristische Analyse vertragen könnte.

Warum aber bin ich so müde, dass ich mich überhaupt mit so etwas wie einem Nachmittagsschlaf auseinandersetzen muss? Nun, einerseits natürlich wegen des ungewohnt frühen Verlassens des Bettes, andererseits aber auch wegen einem relativ intensiven Training am gestrigen Abend. Als selbst ernannter Muckraker des Internet ist es auch meine höchstpersönliche Aufgabe, hin und wieder gepostete Workouts auf ihre Effizienz zu prüfen. Und sei es nur dafür gut, um die eigene Fitness auf Trab zu halten und im Winter nicht zu sehr zu verkommen – immerhin stehen diverse Dirt Runs ja quasi vor der Tür. Deswegen wurde gestern das auf 9gag.com („your daily dose of internet humour“, die auch schon mal besser war) aufgestöberte „Jedi Workout“ ausprobiert und wegen des verflucht kleinen Bildschirms meines Netbooks gleich einmal in schriftliche Form übertragen (siehe das wunderschöne beigefügte Bild).

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          Die schönste Handschrift aller Zeiten.

Die Frage „Taugt´s was?“ lässt sich mit einem klaren „Jein“ beantworten. Denn es kommt stark darauf an, was ich mit einem einzelnen Training erreichen will: Für ein umfangreiches Allround-Workout-Regime für die Tage, an denen man nicht einmal den Hund des Nachbarn vor die Tür setzen würde, werden nicht alle Muskelgruppen gleich beansprucht. Der heutige Muskelkater, der sich nach dreifacher Durchführung des Programms (ja, ich weiß, nur das Starterpaket, aber wie erwähnt musste ich am nächsten Tag einsatzbereit sein) zwischen milde und leicht bissig äußert, spielt sich vor allem in den Oberschenkeln und (interessanterweise) im mittleren Rückenbereich ab. Sieht man sich die Übungen im Detail an, kann man auch leicht erkennen, woran das liegt: Obwohl einige wenige Komplett-Körper-Angreifer wie einbeinige Liegestütz oder die wunderbaren Push-Planks dabei sind, haben sie an der großen Gesamtheit einen sehr geringen Anteil. Das erklärt auch, warum die Arme und Schultern (obwohl aus Spaß an der Gaudi noch 30 Klimmzüge angehängt wurden) die Nacht so gut wie unbeschadet überstanden haben. Auch die Bauchmuskulatur, die ja theoretisch mit Crunches / Situps und seitlichen Jackknives zur eines Jedi-Ritter würdigen Form gebracht werden sollen, ist heute eher unbeeindruckt zur Körperinventur erschienen. Der wahrscheinlichste Grund dafür ist aber auch schnell gefunden: Unter den Körpergewichts-Übungen (Body Weight Exercises, BWE) sind die seitlichen Jackknives wahrscheinlich die dümmsten und sinnlosesten, die man nur finden kann. Der Bewegungsablauf sorgt dafür, dass genau eine Muskelgruppe beansprucht wird, während der Rest des Körpers wie ein fauler Ewok am Boden liegt und versucht, sich ja nicht zu bewegen. Zusätzlich dazu kann man bei der Bewegung an sich so viel falsch machen, dass man gleich eine schriftliche Einladung an ein verrissenes Kreuz ausstellen kann. Ähnlich verhält es sich mit den Woodchucks – schwingt man die imaginäre Axt einmal zu weit oder zu hart, könnte der Rücken mit einem leichten Knacksen seinen nun beleidigten Zustand anmelden.

Positiv hervorheben muss man allerdings, dass durch die Strecksprünge mit Kniebeuge und die seitlichen Lunges sowohl die vorderen als auch hinteren Oberschenkelmuskel wunderbar gefordert werden – bis hin zum Punkt, an dem man meint, dass man sich versehentlich ein Lichtschwert in beide Beine gesteckt hat. Nachdem aber gerade die Schenkel wichtige Träger für beinahe alle Sportarten sind, muss man hier Pluspunkte an das Training für Jedi-Krieger in spe vergeben.

Alles in allem ist die Übungsabfolge also nicht ganz den dunklen Mächten der Sith entsprungen, um die Konkurrenz klein zu halten. Was unter dem lustig-nerdigen Titel daherkommt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen alsa nicht ganz ineffizientes Mittel gegen die lästige winterliche Faulheit, die mit einem klassischen Midichlorianer-Mangel (oder dem ganz normalen Winter) daherkommt. Lediglich die Jackknives sollte man durch Seitstützen mit Beinheben ersetzen, und wer ganz mutig ist und Darth Vader höchstpersönlich Paroli bieten will, der schmeißt auch die Woodchucks aus dem Programm und macht stattdessen die guten, alten Burpees. Für eventuelle Endorphin-Schübe und Muskelschmerzen bin ich nicht haftbar – nur, damit das gesagt ist.

 

In other news: Tatsächlich wäre ich schon an Tag zwei dieses persönlichen Wortmarathons beinahe am Ziel vorbeigeschossen. Oder, um es ehrlicher zu machen, beinahe am Start hängen geblieben. Nachdem der Tag gleichermaßen verplant und inaktiv war, wäre die Schreiberei fast auf der Strecke geblieben. Ich merke auch, dass die Worte heute nicht so sehr aus mir herausfließen, wie sie es noch gestern beim ersten Eintrag getan haben. Brauchte ich für die ersten tausend Worte noch gerade mal ein wenig über 35 Minuten, sitze ich hier nun schon fast eine Stunde und feile an Sätzen. Wieder ein Beweis dafür, dass es für alle Dinge schlechte und gute Tage gibt – was natürlich die Frage aufwirft, wie sich die folgenden Tage gestalten werden. Ist mein Kopf noch leerer? Oder voller? Oder noch verplanter? Werde ich wieder am Nachmittag ins Bett sinken, mit der festen Absicht, mich noch einmal zu erheben und dann doch wieder den Snooze-Button zu drücken?

Wer die nächsten Tage garantiert gut schlafen wird (welch ein grandioser Gedankensprung) ist David Dietrich, ein Freund, der sich im Moment auf einer sportlichen Weltreise befindet. Ohne Rückflugticket treibt er sich im Moment irgendwo zwischen Südostasien und (vermutlich) dem hinteren Hindukusch herum und nimmt an diversen Extremläufen und generell einem unglaublich interessanten Lebensstil teil. Netterweise bloggt er auch unter http://blog.davidsdietrich.com/ über die Abenteuer, die er so unterwegs erlebt – so zum Beispiel einen über 60 km langen Berglauf, den er vor wenigen Tagen überlebt hat. Unbedingte Leseempfehlung und für diesen Tag mein Abschied aus dem Internet (oder zumindest dem Teil des Internets, in dem ich öffentlich schreibe). Möge die Macht mit euch … ach, egal. Cheers.

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